Ist es der glockenklare Klang der Hammondorgel „H100“, mit der Klaus Wunderlich in den 60ern seine große Karriere begann? Oder ist es der noch ungefilterte Sound der prominentesten Vorgängermodelle „B3” und „C3”, die ursprünglich in amerikanischen Kirchengemeinden eingesetzt wurden? Oder ist es der verzerrte Sound, der in den späten 60ern auf Rockbühnen durch übersteuerte Röhren erzeugt wurde? Ist es der „Geradeauston” oder der schwebende Raumklang rotierender Leslie-Hochtonhörner und Ton-Umlenktrommeln für die tiefen Töne?
Was auch immer gemeint ist – all diese Klänge entstanden erstmals in einer Hammondorgel. Nicht weniger tragen die unzähligen Klangeinstellungen einer Zugriegel-Orgel zur Charakteristik des Orgelsounds bei. Mit ihnen werden die Sinusklänge unterschiedlicher Tonlagen, die im Tongenerator entstehen, „gemischt” und aus der so erzeugten Summe entstehen die Klangfarben. Je nach Orgeltyp stehen dem Instrumentalisten sechs, neun oder elf Zugriegel (Drawbars) zur Verfügung.
Drawbar-Organisten verändern während des Spielens die Einstellungen der Zugriegel. Dadurch verändert sich der Sound oft während des Erklingens. Diese Klangeffekte werden bewusst in das Klangerlebnis integriert. Der Markenname Hammond wurde zum Synonym für elektronische Orgeln – vergleichbar mit Papiertaschentüchern: Egal von welchem Hersteller sie stammen, man spricht oft nur von einem bestimmten Namen.
Die Terminologie wurde durch den wachsenden Markt der Heimorgeln noch verworrener. Diese Instrumente hatten mit dem als „Hammond-Sound” bekannten Klang allerdings nichts mehr zu tun, da sie versuchten, Orchesterinstrumente möglichst originalgetreu nachzuahmen. Begleitautomaten erschlossen somit auch weniger begabten Musikliebhabern den Weg zur Hausmusik.
Diese Instrumente – ich nenne sie hier bewusst nicht „Orgeln” – sind im Grunde nichts weiter als Superkeyboards. Kein Profi käme auf die Idee, mit einem solchen Instrument eine Jazz-, Blues- oder Rockbühne zu betreten.
Von 1955 bis 1974 verließen die Modelle B3 und C3 das Werk von Hammond. Zusammen mit der A100 (1959–1965) prägen diese Orgeln den Mythos bis heute. Ihre Tonerzeugung ist identisch: Im Tongenerator werden 91 Frequenzen erzeugt, die über zwei Manuale mit je 61 Tasten und 25 Basspedale gesteuert werden.
Während die A100 für den Heimbereich bestimmt war, wurde die C3 als Kirchenmodell und die B3 als Konzertmodell konzipiert. Weitere wichtige Modelle waren die M3 und deren Weiterentwicklung M100, auf der Matthew Fisher den Procol-Harum-Song „A Whiter Shade of Pale” einspielte. Die populärste Hammond-Orgel bleibt jedoch die legendäre B3 mit ihren gedrechselten Beinen.
Nachdem der Sound in den 80ern durch Synthesizer verdrängt wurde,
gelang es Hammond-Suzuki im Jahr 2000, den ursprünglichen „B3-Sound”
digital zu reproduzieren. Die New B3
war geboren.
Das Jahr 2000 markierte auch den Beginn meines Weges im Profilager der
Konzertorganisten. Der direkte Vergleich zwischen einem restaurierten
Original und der New B3 überzeugte mich so sehr, dass ich mich trotz
langer Wartezeit für das neue Instrument entschied.
Mit der neuen Tonerzeugung war es möglich, handlichere Hammondorgeln mit authentischem Sound zu bauen. So zog der Hammond-Sound vermehrt auf die Bandbühne ein. Im Jahr 2011 stellte Hammond die SK-Serie als ein- bzw. zweimanualige Stage-Keyboards vor. Als ich dieses Modell in den Händen hielt, war es um mich geschehen. Die Sk2 wurde das Herzstück meines "kleinen Bestecks". Passend dazu bot mir Hammond Europa einen Endorservertrag an, den ich nach Anpassung der Bedingungen gerne annahm.
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